Teamarbeit scheitert selten an Kompetenz – sondern an psychologischer Sicherheit

Wenn Teams nicht funktionieren, wird oft an Fähigkeiten gearbeitet:

  • bessere Kommunikation

  • klarere Prozesse

  • effizientere Meetings

All das ist sinnvoll. Und trotzdem bleibt die Zusammenarbeit in vielen Teams angespannt, defensiv oder oberflächlich.

Der Grund liegt meist tiefer.

Teams scheitern selten an fehlender Kompetenz – sondern an fehlender psychologischer Sicherheit.

Was psychologische Sicherheit wirklich bedeutet

Psychologische Sicherheit beschreibt ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen:

  • Fragen stellen können, ohne sich bloßzustellen

  • Ideen äußern können, ohne sofort bewertet zu werden

  • Fehler ansprechen können, ohne negative Konsequenzen zu fürchten

Es geht nicht um Harmonie.
Es geht um Erlaubnis.

Google hat dieses Thema in seiner bekannten Studie zu Hochleistungsteams klar benannt:
Psychologische Sicherheit war der stärkste Prädiktor für Teamleistung – stärker als Erfahrung, Hierarchie oder Talent.

Warum klassische Maßnahmen oft nicht ausreichen

Viele Unternehmen versuchen, Sicherheit über Sprache herzustellen:

  • Feedbackregeln

  • Meeting-Guidelines

  • Leadership-Trainings

Das Problem:
Sicherheit ist kein kognitives Konzept. Sie ist ein körperlich-emotionales Erleben.

Menschen wissen oft rational, dass sie etwas sagen dürften
fühlen sich aber trotzdem nicht sicher genug, es zu tun.

Wie Sicherheit im Team tatsächlich entsteht

Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch Appelle, sondern durch gemeinsame Erfahrungen, in denen:

  • Statusunterschiede an Bedeutung verlieren

  • Fehler sichtbar, aber folgenlos bleiben

  • Kontrolle reduziert wird

  • Ergebnisoffenheit erlaubt ist

Das erklärt, warum manche Teams nach externen Workshops oder gemeinsamen Erfahrungen plötzlich anders miteinander arbeiten – ohne dass neue Regeln eingeführt wurden.

Warum kreative Formate hier eine besondere Rolle spielen

Kreative Prozesse – insbesondere Mal- und Gestaltungsformate – schaffen Bedingungen, die im Arbeitsalltag selten vorkommen:

1. Alle starten ohne Expertenstatus

In kreativen Settings gibt es kein fachliches Vorwissen, das zählt.
Das nivelliert Hierarchien – zumindest temporär.

Menschen begegnen sich als Lernende, nicht als Rolleninhaber.

2. Fehler sind sichtbar – und bleiben folgenlos

Ein „Fehler“ auf der Leinwand:

  • wird nicht dokumentiert

  • hat keine Konsequenzen

  • kann integriert oder überarbeitet werden

Diese Erfahrung wirkt subtil, aber nachhaltig – besonders für Teams, in denen Fehler sonst vermieden werden.

3. Kommunikation wird indirekt

Nicht alles wird besprochen.
Vieles wird beobachtet, gespürt, angepasst.

Das schult:

  • Aufmerksamkeit

  • Rücksichtnahme

  • nonverbale Abstimmung

Fähigkeiten, die im Arbeitsalltag oft entscheidend sind, aber selten trainiert werden.

Warum das nichts mit Therapie zu tun hat

Ein häufiger Einwand im Unternehmenskontext:

„Wir wollen kein therapeutisches Format.“

Das ist berechtigt – und wichtig.

Seriöse kreative Teamformate sind:

  • klar strukturiert

  • zeitlich begrenzt

  • zieloffen, aber nicht beliebig

Sie ersetzen keine Strategie und kein Training.
Sie ergänzen sie um eine erfahrungsbasierte Ebene, die Sprache allein nicht erreicht.

Wann Teams besonders profitieren

Kreative Formate wirken besonders gut in Phasen:

  • nach Reorganisationen

  • bei neu zusammengesetzten Teams

  • wenn Kommunikation formal funktioniert, aber emotional stockt

  • bei Führungsteams, die neue Formen der Zusammenarbeit erproben wollen

Nicht als Pflichtprogramm – sondern als bewusst gesetzter Kontrast.

Was in vielen Teams als Kommunikationsproblem erscheint, ist oft ein Sicherheitsproblem.
Nicht, weil Menschen nicht wollen – sondern weil sie unbewusst abwägen, was sie riskieren.

Psychologische Sicherheit entsteht dort, wo Bewertung leiser wird und Erfahrung lauter. Nicht durch Appelle, sondern durch Situationen, in denen Menschen erleben, dass Offenheit keine negativen Folgen hat.

Genau deshalb verändern manche gemeinsamen Erfahrungen mehr als jede neue Regel.
Nicht sofort sichtbar.
Aber spürbar im Alltag.

In der Praxis zeigt sich immer wieder: Teams, die solche Räume bewusst erleben, sprechen anders miteinander. Leiser vielleicht. Aber ehrlicher. Und tragfähiger.

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