Die häufigsten Fehler beim Malen als Erwachsene:r – und warum sie völlig normal sind
Viele Erwachsene hören nach den ersten Malversuchen wieder auf.
Nicht, weil sie „kein Talent“ hätten – sondern weil sie ihre Erfahrungen falsch interpretieren.
Dieser Artikel zeigt die häufigsten Fehler beim Einstieg ins Malen, warum sie kein Problem, sondern Teil des Prozesses sind, und wie man verhindert, dass sie zur inneren Ausstiegsrampe werden.
Fehler 1: Das Bild zu früh bewerten
Der häufigste Satz nach 20 Minuten Malen:
„Das sieht irgendwie nicht gut aus.“
Das ist kein Zeichen von mangelndem Können.
Es ist ein Zeichen dafür, dass der Prozess noch mitten drin ist.
Viele Bilder wirken in einer frühen Phase chaotisch, unfertig oder „falsch“.
Wer an diesem Punkt abbricht, verlässt den Prozess genau dort, wo Lernen beginnt.
Wichtig zu verstehen:
Fast jedes Bild geht durch eine unangenehme Zwischenphase. Auch bei Profis.
Fehler 2: Zu schnell korrigieren wollen
Erwachsene sind lösungsorientiert.
Im Alltag ist das eine Stärke – beim Malen oft ein Hindernis.
Typisch:
Farbe aufgetragen
Unsicherheit
sofortiges Übermalen
Das Ergebnis: Das Bild verliert Klarheit, Energie und Richtung.
Malen erfordert das Aushalten von Zwischenschritten.
Nicht alles muss sofort „repariert“ werden.
Fehler 3: Sich selbst mit anderen vergleichen
In Gruppen – aber auch online – passiert das fast automatisch:
„Die anderen sind viel besser.“
„Bei mir sieht das ganz anders aus.“
Dieser Vergleich ist jedoch irreführend, weil:
jede Person einen anderen Zugang hat
Ergebnisse nicht den Prozess zeigen
Kreativität kein lineares Maß kennt
Vergleich unterbricht Wahrnehmung – und lenkt vom eigenen Erleben ab.
Fehler 4: Perfektionismus mit Anspruch verwechseln
Viele Erwachsene glauben, sie hätten „hohe Ansprüche“.
In Wahrheit ist es oft Perfektionismus.
Der Unterschied:
Anspruch motiviert
Perfektionismus blockiert
Beim Malen zeigt sich das durch:
zu langes Zögern
Angst vor dem ersten Strich
ständiges Nachbessern
Kreative Prozesse brauchen Mut zur Unvollkommenheit – besonders am Anfang.
Fehler 5: Zu viel auf einmal wollen
Ein Bild, eine Technik, ein Stil, ein Ziel – alles gleichzeitig.
Das überfordert.
Lernen im kreativen Bereich funktioniert besser, wenn:
der Fokus klein ist
das Ziel überschaubar bleibt
Wiederholung erlaubt ist
Ein klarer Rahmen macht Fortschritt sichtbar.
Warum diese Fehler nichts über dich aussagen
Diese Fehler sagen nichts über:
Talent
Kreativität
Begabung
Sie sagen nur, dass du erwachsen gelernt hast, Leistung zu bewerten.
Malen folgt anderen Regeln als der Alltag.
Und diese Regeln dürfen erst wieder erfahren werden.
Was stattdessen hilft
Statt Fehler zu vermeiden, hilft es:
Prozesse zu Ende zu führen
Bewertungen zu vertagen
neugierig zu bleiben
Ergebnisse als Momentaufnahmen zu sehen
Viele Erwachsene sind überrascht, wie schnell sich ihr Verhältnis zum Malen verändert, sobald sie diese Perspektive einnehmen. Fehler beim Malen sind kein Zeichen des Scheiterns. Sie sind ein Zeichen von Beteiligung.
Wer sie nicht persönlich nimmt, sondern als Teil des Prozesses versteht, bleibt länger dran – und entwickelt Vertrauen in die eigene Kreativität. Und genau dort beginnt echte Entwicklung.
Viele Menschen machen diese Erfahrungen zum ersten Mal in einem geschützten, zeitlich klaren Rahmen, in dem Fehler nicht korrigiert, sondern eingeordnet werden – das verändert oft den Blick auf den eigenen kreativen Prozess nachhaltig.